Übersicht
Hitzeweltrekord in Libyen aberkannt
Death Valley ist neu das heisseste Pflaster der Erde
Etwas mehr als 90 Jahre lang galt der Wüstenort Al-Asisia in Libyen als heissester Ort der Welt. Im Jahre 1922 soll es dort 58 Grad heiss geworden sein. Dieser „Weltrekord“ wurde nun von der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) als Fehlmessung deklariert. Nun gilt das amerikanische Death Valley mit einem Höchstwert von 56,7 Grad als heissester Ort der Welt.
Bild
Artikel bewerten
Wir haben es in der Schule gelernt: Der heisseste Ort der Welt ist Al-Asisia in der Wüste Libyens, rund 55 Kilometer von Tripolis entfernt. Dort wurden im Jahre 1922 unglaubliche 58,0 Grad gemessen. Jetzt, rund 90 Jahre später, sagt die Wissenschaft, dass es so heiss nicht gewesen sein kann. Nach einjährigen Untersuchungen kam die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit Sitz in Genf zum Schluss, dass dieser Wert zu hoch sei. Der Hauptgrund für den zu hohen Wert soll die Umgebung gewesen sein. Angeblich soll das Messgerät damals auf einem dunkeln Platz gestanden haben, der durch seine Abstrahlung zu hohe Temperaturwerte ergab.
Uralt-Rekord wird durch Urälter-Rekord ersetzt
Damit darf sich das Death Valley in den USA neu heissester Ort der Welt nennen. Der neue „Weltrekord“ beträgt nun 56,7 Grad, gemessen am 10. Juli 1913. Die ganze Geschichte hat nun eine gewisse Brisanz. Es ist zwar wohl bekannt, dass es im Death Valley sehr heiss werden kann, allerdings wird der 90 Jahre alte Weltrekord durch einen 99-jährigen Messwert ersetzt. Auch dieser Messwert entspricht aber nicht heutigen Standards. Damals wurde noch in konventionellen weissen Wetterhütten mit Lamellen gemessen. Gerade bei windschwachen Lagen bildet sich aber in der Wetterhütte ein eigenes Mikroklima, in dem bedeutend höhere Messwerte abgelesen werden als in der Umgebung. Darum werden heute an den meisten Orten automatische Stationen eingesetzt, die laufend mit Frischluft versorgt werden. In der Regel liegen solche Messungen rund 1,5 Grad tiefer als Werte in der Wetterhütte.
Fällt nun auch der Schweizerrekord?
Eine ähnliche Diskussion führen wir auch in der Schweiz. Der Hitzerekord liegt in der Schweiz bei 41,5 Grad, gemessen am 11. August 2003 in Grono, im untersten Misox. Auch diesem Rekord haftet der Makel an, dass er in einer konventionellen Wetterhütte gemessen wurde, obwohl der nationale Wetterdienst an den meisten Standorten schon seit den 80er-Jahren mit automatischen Stationen misst.
Wie heiss kann es tatsächlich werden?
Um Temperaturwerte vergleichbar zu machen, hat die WMO Standards definiert. Gemessen wird 2 Meter über Grund auf einer Wiese. So können auch die Abstrahlungsverhältnisse vereinheitlich werden. Allerdings ist das internationale Messnetz auch noch heute zu dünn, um Wüstengebiete genau erfassen zu können. Auf Grund von Satellitenmessungen geht man heute davon aus, dass die Höchsttemperaturen bei rund 70 Grad liegen. In der iranischen Wüste sollen bei Lut im Jahre 2005 70,7 Grad gemessen worden sein. Allerdings haben Satellitenmessungen den entscheidenden Nachteil, dass sie nicht auf 2 Meter Höhe messen, sondern die Oberflächentemperatur registrieren und dies erst noch in diesem Fall auf Sand und nicht auf Gras, und so wird wohl die Diskussion um den Hitzeweltrekord auch in den nächsten Jahren weitergehen.
(FB)







