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Wasserhosen am Zugersee und am Bodensee

Höhenkaltluft bringt uns Wolkenrüssel

Felix Blumer
Donnerstag, 13. September 2012

Heute (Donnerstag-)Morgen überquerte Höhenkaltluft die Schweiz. Dabei bildeten sich über den noch warmen Seen Wasserhosen, so über dem Boden- und dem Zugersee. Besonders spektakulär waren dabei die Rüsselbildungen an der Wolkenunterseite.

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Am Zugersee und am Bodensee wähnte man sich heute Morgen wie in den USA. Aus den Wolken hing phasenweise ein Rüssel wie ein Tornado. Allerdings handelte es sich nicht um Tornados, sondern „nur“ um Wasserhosen. Die sich nach kurzer Zeit wieder auflösten und zu keinen Schäden führten.

Bild Heute Morgen gab es am östlichen Bodensee eine Wasserhose zu sehen
Heute Morgen gab es am östlichen Bodensee eine Wasserhose zu sehen Florian Bock

 

Warmer See und kalte Luft

Für die Wasserhosen war primär labile Höhenkaltluft verantwortlich, die heute Morgen von Norden über die Schweiz hinweg zog. Auf einer Höhe von gut 5500 Meter betrug die Temperatur ungefähr -22 Grad. Die Oberflächen der Seen hatten zum gleichen Zeitpunkt eine Temperatur von etwa +20 Grad. In der labilen Luft wurde der Wasserdampf spiralförmig nach oben gezogen und so ergaben sich Rüssel, wie sie vor allem von Tornados bekannt sind. Über dem Bodensee war das Phänomen auch auf dem Niederschlagsradar zu erkennen. Über dem östlichen Bodensee lag über längere Zeit eine Niederschlagszelle, die gegen 7 Uhr von einer zweiten Zelle aus Nordwesten geschnitten wurde. Im Bereich der Schnittstelle kam es zu Windscherungen und zur Bildung von Wasserhosen.

Bild Kleine Wasserhose am Donnerstagmorgen am Zugersee
Kleine Wasserhose am Donnerstagmorgen am Zugersee Raymond Cloux

Typisch für den Spätsommer

Wasserhosen sind in der Schweiz ein eher seltenes Phänomen. Am häufigsten treten sie im Spätsommer oder Frühherbst auf, wenn die Wasseroberfläche der Seen immer noch warm sind. Besonders prädestiniert ist der Neuenburgersee, weil dort um diese Jahreszeit häufig Kaltluft vom Jura auf den Seen hinunter prescht.

 

Im Sommer auch am Zürichsee

Am 21. Juli machte eine Wasserhose am Zürichsee Schlagzeilen, die sich während Minuten an jenem Samstagnachmittag im unteren Seebecken aufhielt. Sie entstand in der Nähe einer Kaltfront, als ebenfalls Kaltluft über die warme Wasseroberfläche strich. Das Ereignis wurde damals von zahlreichen Leuten fotografiert und die spektakulären Bilder waren auch in den Medien zu sehen.

Bild Die Wasserhose am 21. Juli in Zürich sorgte für grössere Schlagzeilen
Die Wasserhose am 21. Juli in Zürich sorgte für grössere Schlagzeilen Hugo Würsch

Unterschied zum Tornado

Die Wasserhose gehört zu den sogenannt nicht-mesozyklonalen Tornados. Sie ist nicht an ein grösseres Tief gebunden und bezieht ihre Energie primär aus dem Wasserdampf der Seen. Erreicht die Wasserhose das Ufer fehlt der Nachschub von feucht-warmer Luft, und sie fällt sofort in sich zusammen. Entsprechend sind die Windgeschwindigkeiten auch viel kleiner und das Schadenspotential ist viel kleiner als bei einem Tornado. Auf einem See kann ein Boot aber auf Grund der Rotationsbewegung durchaus kentern.

Tornados erreichen bis 500 Kilometer pro Stunde

Tornados sind vor allem aus den USA bekannt, wo vor allem im Frühjahr arktische Kaltluft von Kanada auf feucht-warme Karibikluft trifft. Bei entsprechender Windscherung bilden sich die gefürchteten Tornadorüssel. Bei diesen Tornados geht man von maximalen Windgeschwindigkeiten im Bereich von 500 Kilometer pro Stunde aus. Genaue Messungen liegen aber kaum vor, da in der Regel die Messgeräte den Tornado nicht unbeschadet überstehen. Für die Schäden ist beim Tornado aber nicht nur der Wind verantwortlich, sondern auch die grossen Druckunterschiede. Im Inneren von Gebäuden kann der Druck mehr als 100 mbar höher sein, als ausserhalb des Gebäudes. Dadurch kommt es in den Gebäuden zu einer „Explosion“.