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Klimabeiträge

„Gebt mir einen Tanker voll Eisen - und ich gebe euch eine neue Eiszeit!“

Christine Jutz
Mittwoch, 21. Januar 2009

Das versprach in den 80er-Jahren der US-Ozeanograf John Martin. Doch wie effizient und wie sicher ist die Eisendüngung der Ozeane im Kampf gegen die Klimaänderung? Das Düngen der Ozeane ist für viele Experten keine Lösung. Jetzt hat auch das deutsche Bundesforschungsministerium reagiert und ein Forschungsschiff zurückgepfiffen.

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Mit Eisendüngung gegen die Klimaveränderung?

Bild Eisbrecher mit Pinguinen
Forschungsschiff Polarstern unterwegs nach Südgeorgien (GB). Quelle: AWI

Das Düngen des Phytoplanktons mit Eisen hätte grosse und unvorhersehbare Folgen für das Klima und die chemische Zusammensetzung der Atmosphäre. Zu diesem Schluss kommen Forscher des Max Planck Instituts für Chemie in Mainz. Auch Schweizer Experten stellen sich kritisch gegen die Eisendüngung. So bezeichnet Jukka Jokela vom Schweizer Wasserforschungsinstitut EAWAG die grossflächige Düngung als Verschmutzung und keinesfalls als Rezept gegen den Klimawandel. Auch Andreas Fischlin, Professor für Umweltnaturwissenschaft an der ETH-Zürich wehrt sich aufgrund der grossen Risiken gegen die Eisendüngung.

Die Idee

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Eisendüngung (Quelle: scinexx)

Meeresalgen (Phytoplankton) brauchen zum Leben grosse Mengen Kohlendioxid und produzieren Sauerstoff. Dabei binden sie das im Wasser gelöste CO2 und in der Folge nimmt das Meerwasser wieder Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf – die CO2-Konzentration der Atmosphäre würde damit reduziert. Limitierender Faktor des Algenwachstums ist aber der Eisenmangel. Mit der Eisendüngung soll das Wachstum der Algen angeregt werden. Wenn das Phytoplankton von anderen Meerestieren gefressen wird, wird zwar ein Teil dieses Kohlendioxids wieder in die Atmosphäre ausgestossen, aber ein Teil des CO2 würde mit den abgestorbenen Algen als organisches Material auf den Grund des Ozeans absinken und sich dort ablagern. Breiten sich mehr Algen im Meer aus, kann auch mehr Kohlendioxid aus der Atmosphäre gebunden werden.

Ungeklärte Risiken

Bild Mikroskopiebild des Phytoplanktons
Phytoplankton (Quelle: AWI)

Der Ansatz ist bestechend einfach – die möglichen Auswirkungen sind es jedoch nicht. So warnen viele Forscher vor gravierenden Nebenwirkungen. Das Phytoplankton entzieht nicht nur Kohlendioxid, es produziert eine ganze Reihe von Gasen, die für die Atmosphäre und letztlich auch für das Klima von Bedeutung sind. So würden zum Beispiel vermehrt Wolkenkondensationskerne gebildet, welche die Wolkenbildung fördern. Oder auch organische Halogene, von denen man annimmt, dass sie zum Abbau des stratosphärischen Ozons beitragen. Die Oberflächentemperatur des Ozeans würde sich zudem mit dem zusätzlichen Wachstum und der entsprechenden Bioaktivität erwärmen, was erneut Folgen für das Klima und die Ozeanzirkulation hätte. Diese Nebenwirkungen könnten den positiven Effekt eines möglichen CO2 Abbaus bei weitem aufwiegen.

Experiment auf Eis gelegt

Bild Karte Südatlantik
Südgeorgien (GB) westlich der Falkland Inseln

Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) und das Indische National Institute of Oceanography (NIO) wollen die Eisendüngung im Ozean mit dem sogenannten Lohafex-Experiment testen. Dabei soll westlich der Falkland Inseln in der Nähe von Südgeorgien (GB) im südwestlichen Atlantik mit rund sechs Tonnen Eisensulfat eine Fläche von 300 Quadratkilometern gedüngt, und die Auswirkungen auf das marine Ökosystem untersucht werden. Das Forschungsschiff „Polarstern“ des AWI ist seit dem 7. Januar zum Südpolarmeer unterwegs. Nun hat sich aber auf Druck von Umweltorganisationen das deutsche Bundesforschungsministerium eingeschaltet und die Forscher aufgefordert, solange auf das Experiment zu verzichten, bis weitere unabhängige Gutachten die Unbedenklichkeit des Experiments bestätigen.

Zertifikatehandel

Quellen: Sonntagszeitung, AWI, Max-Planck-Institut für Chemie (Mainz)