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Klimabeiträge

Klimapolitik in der Schweiz

Silvan Rosser
Mittwoch, 15. Oktober 2008

Die Klimaänderung ist im Bewusstsein der meisten Schweizerinnen und Schweizer. Auch die Politik beschäftigt sich zusehends mit der Problematik. Da die globale Erwärmung auf freiwilliger Basis nicht verringert werden kann, ist der weltweite Dialog und eine ausgereifte Klimapolitik notwendig.

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Klimapolitik auf der Weltbühne

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Bereits 1979 fand die erste Weltklimakonferenz statt, welche die Regierungen aufgeforderte, „potenzielle von Menschen verursachte Klimaänderungen, die sich nachhaltig auf das Wohl der Menschheit auswirken könnten, zu verhindern“. Es dauerte aber rund 18 Jahre bis im Rahmen der UNO-Klimakonvention die ersten verbindlichen Abmachungen zur Verminderung der Treibhausgas-Emissionen ausgehandelt wurden. Nochmals fünf Jahre später trat im Jahre 2005 das Kyoto-Protokoll in Kraft. Die beteiligten Industriestaaten verpflichteten sich hierbei, ihren Ausstoss an Kohlendioxid (CO2), Methan (CH2), Lachgas (N2O), und anderen klimawirksamen Gasen im Mittel der Jahre 2008 bis 2012 gegenüber dem Stand von 1990 um gemittelt 5.2% zu reduzieren. Jedoch haben die USA, die als grösster Emittent von Treibhausgasen unter den Industrieländern gelten, das Kyoto-Protokoll bis heute zwar unterzeichnet aber immer noch nicht ratifiziert. Mehr als die Hälfte der globalen Treibhausgas-Emissionen stammen heutzutage von boomenden „Schwellenländern“ wie China, Indien oder Brasilien, welche nach dem Kyoto-Protokoll nicht zur erwähnten Treibhausgas-Reduktion verpflichtet sind. Somit erfasst das Kyoto-Protokoll nur rund 30% des weltweiten Treibhausgas-Ausstosses. Deshalb steigen die globalen Emissionen, selbst wenn alle Vertragsparteien ihre Reduktionsziele erfüllen, bis 2012 um gut 30% gegenüber dem Stand von 1997 an.

Ab 2 Grad Erwärmung wird’s gefährlich

Bild Kyoto-Protokoll Teilnahme Übersicht. (Quelle: Wikipedia)
Auch 2008 haben noch nicht alle Staaten das Kyoto-Protokoll unterzeichnet. (Wiki)
Legende
grau: Nicht unterzeichnet
gelb: Ratifizierung im Gang
rot: Ratifizierung abgelehnt

Der vierte und neuste Klimabericht des IPCC hat gezeigt, dass eine weltweite Erwärmung von höchstens 2 Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau noch knapp tragbar ist. Um 0.74 Grad hat sich das Erdklima in den letzten 100 Jahren jedoch bereits erwärmt und aufgrund der verzögerten Treibhausgaswirkung in der Atmosphäre lässt sich eine weitere Erwärmung von 0.6 bis 1 Grad nicht mehr verhindern. Eine weitere Temperaturzunahme von einem halben Grad würde somit bereits zu einer schwerwiegenden Veränderung des Klimasystems führen. Die EU-Kommission ist dennoch optimistisch, dass die kritische Marke eingehalten werden kann, sofern die weltweiten Emissionen von Treibhausgasen ihren Höchststand vor dem Jahre 2025 erreichen und anschliessend bis 2050 um rund die Hälfte gegenüber dem Wert von 1990 reduziert werden. Allgemein gilt, je früher es gelingt, die Trendwende der Treibhausgasemissionen zu realisieren, desto wahrscheinlicher ist es, die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre auf einem Niveau zu halten, welches die globale Erwärmung in Grenzen hält. Dieses Ziel ist jedoch noch in weiter Ferne, denn das Durchsetzen von Reduktionsmassnahmen geht nicht Hand in Hand mit den ökonomischen Zielen der entsprechenden Länder. Für die Entwicklungsländer ist das Wirtschaftswachstum von grosser Bedeutung und unabdingbar mit der Emission von Treibhausgasen verbunden. Die Industrieländer ihrerseits sind auch nicht zu einer umfangreichen Treibhausgasreduktion bereit, weil dabei ihr Wirtschaftswachstum gedämpft werden könnte, währenddessen die „Schwellenländer“ ihre Wirtschaft mit „dreckiger“ Industrie vorantreiben und keinerlei Verpflichtungen eingehen wollen.

Die Schweiz orientiert sich an der EU

Die Schweiz stösst heute pro Jahr rund 53 Millionen Tonnen CO2 aus, was gegenüber dem Stand von 1990 ungefähr einer Stabilisierung gleichkommt. Umgerechnet sind es 7.1 Tonnen CO2 pro Einwohner pro Jahr. Jedoch muss auch die Treibhausgasausstoss der importierten Produkte mit eingerechnet werden. Diese Emissionen entstehen zwar nicht in unserem Land, sie werden aber durch unsere Nachfrage hervorgerufen. Somit sind es rund 12.5 Tonnen CO2 pro Person jährlich. Der globale Durchschnitt liegt um einen Faktor 2.5 tiefer. Vergleicht man diesen Ausstoss jedoch mit der Wirtschaftsleistung, so schneidet die Schweiz in Bezug auf die anderen Industrieländer gut ab. Im Bezug auf das Bruttoinlandprodukt (BIP) emittiert die Schweiz nur halb so viel CO2 wie der Durchschnitt der OECD-Länder.
Um diese Bilanz weiter zu verbessern und um den Treibhausgasausstoss zu verringern, hält sich die Schweiz an die Zielvorgaben des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls. Gegenüber dem Stand von 1990 ist jedoch erst eine Stabilisierung und noch keine Reduktion erreicht, so dass das Kyotoziel wohl nicht ganz erreicht werden kann. Zusätzlich (und vor allem nach 2012) orientiert sich die Schweiz weitgehend an den Zielen der EU. Eines davon wurde im Jahre 2007 verabschiedet und ermutigt die Gemeinschaft, ihre Emissionen, unabhängig von anderen Ländern, bis im Jahre 2020 um mindestens 20% gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Wenn zusätzlich die anderen Industriestaaten mitziehen, wäre die EU sogar bereit, ihre Treibhausgasemissionen bis 2020 um 30% zu verringern. Langfristig vereinbarte der EU-Rat ein Reduktionsziel von 60 bis 80% bis zur Mitte dieses Jahrhunderts. Umweltminister Moritz Leuenberger will deshalb nach 2012 den jährlichen Inland-Ausstoss von Treibhausgasen (in CO2-Einheiten) jeweils um 1.5% senken, damit lägen die Emissionen 2020 um 21 Prozentpunkte unter dem Wert von 1990.

Weiterführende Links und Quellen

OcCC
BAFU
WWF